Von Sensor Reinigung zu Horror
Bei einer Reinigung an einem Leica-Stand auf einer Fotomesse in Hannover hatte ich meine Leica M9 zur Sensorreinigung mitgebracht. Vor der Reinigung waren auf dem Sensor lediglich zwei bis drei einzelne Partikel sichtbar. Während der Reinigung wurde nach meiner Beobachtung vorhandener Schmutz mit einem Pinsel über den Sensor geschoben. Danach war an einer zuvor unauffälligen Stelle eine linienartige Spur mit schwarzen Flecken sichtbar.
Aus meiner Sicht entstand diese Spur erst durch die Reinigung. Der Mitarbeiter erklärte anschließend, die Stelle lasse sich nicht entfernen und es handle sich vermutlich um Sensorkorrosion. Daraufhin wurde mir geraten, die Kamera einzusenden, um dies im Labor abklären zu lassen. Dort stellte sich später heraus, dass der Sensor nicht defekt ist und keine Korrosion vorliegt. Der Sensor war zudem bereits durch einen Drittanbieter neu beschichtet worden, was aus meiner Sicht ebenfalls gegen die zunächst geäußerte Vermutung sprach. Bilder vor und nach der Reinigung zeigten für mich deutlich den Unterschied.
Dadurch musste ich Versandkosten, längere Wartezeit und mehrere Rückfragen in Kauf nehmen, obwohl der Anlass aus meiner Sicht erst durch die Reinigung vor Ort entstanden war. Die Reinigung selbst wurde zwar nicht berechnet, der weitere Ablauf war für mich jedoch sehr unbefriedigend. Ursprünglich hatte ich Leica lediglich gebeten, den Sensor zu reinigen und zu prüfen, ob Korrosion vorliegt.
Im Kostenvoranschlag wurde anschließend angegeben, die Sensorlage sei „komplett außer Toleranz“ und der Motorgummi vom Verschluss müsse erneuert werden. Angeboten wurde ein kompletter CLA-Service für 785,40 € brutto. Die Kamera funktionierte bis dahin einwandfrei, machte scharfe Bilder und zeigte keine Störgeräusche oder sonstigen Auffälligkeiten.
Die Kamera wurde nach Auskunft für die Diagnose nicht geöffnet. Das ergab sich für mich aus der Nachfrage, warum die Kamera neu beledert werden solle. Mir wurde erklärt, dass die Belederung beim Öffnen der Kamera zerstört werde und daher neu aufgezogen werden müsse. Auf meine Nachfrage, ob die genannten Arbeiten tatsächlich zwingend erforderlich seien und worauf die Diagnose zum Motorgummi beruhe, erhielt ich keine für mich nachvollziehbare technische Erklärung.
Besonders enttäuschend war die Kommunikation. Meine E-Mail-Adresse wurde zunächst falsch gespeichert. Auf Rückfragen erhielt ich über längere Zeit keine klare Antwort. Später wurde mir erklärt, die Mitarbeiterin, mit der ich zuvor telefoniert hatte und der ich den Vorgang ausführlich erklärt hatte, sei krank geworden; so etwas könne eben passieren. Für mich erklärt das nicht, warum eine laufende Serviceanfrage nicht intern weiterbearbeitet wurde.
Im heutigen telefonischen Kontakt fühlte ich mich erneut nicht ernst genommen. Ich schilderte den gesamten Vorgang. Meine konkrete Frage war, ob der vollständige CLA-Service tatsächlich notwendig ist und worauf die einzelnen Befunde beruhen. Statt diese Frage nachvollziehbar zu beantworten, wurde ich aus meiner Sicht ausführlich und am eigentlichen Thema vorbei über mögliche Sensorkorrosion aufgeklärt, obwohl zuvor bereits mitgeteilt worden war, dass der Sensor nicht defekt ist. Auf meine Hinweise zum Ablauf wurde aus meiner Sicht kaum eingegangen. Außerdem wurde sinngemäß geäußert, wenn mir der Aufwand bei einer solchen Kamera nicht wert sei, müsse ich mir das überlegen; andernfalls könne man mir die Kamera eben unrepariert zurücksenden. Diese Art der Kommunikation empfand ich als unangemessen.
Ich hätte einen angemessenen und nachvollziehbar begründeten Service gern durchführen lassen. Dafür hätte ich jedoch eine klare technische Erklärung der Befunde, getrennte Reparaturpositionen oder zumindest eine nachvollziehbare Aussage zur tatsächlichen Notwendigkeit des kompletten CLA-Services erwartet.
Die Kamera lieferte zu jeder Zeit unauffällige und scharfe Bilder. Aus meiner Sicht war der Serviceprozess in diesem Fall nicht transparent und kommunikativ enttäuschend. Positiv ist, dass der Sensor kostenfrei gereinigt wird. Ich hoffe nun, dass die Kamera genauso funktional zurückkommt, wie ich sie eingesendet habe.








